Home » 2015 » Juli (Page 2)

Zerreissprobe Eigensinn und Zugehörigkeit

Der Mensch wird von seiner Umgebung. In Beziehung sein bedeutet oft Überformung, Umformung und Verzicht auf das Ur-Eigene. Eigentlich bin ich ein ganz anderer aber ich habe so wenig Zeit dafür…weil man immer fremde oder andere Ziele wichtiger nimmt wie die eigenen. Burnout kann auch verstanden werden als fehlgeleitete Eigenständigkeitsentwicklung. Der Mensch bleibt an seine soziale Umgebung (Familie, Organisation ) angepasst, obwohl er sich im Stillen ganz woanders hin entwickelt. Die Spannung wächst bis sie sich in der Krise, im Unfall oder burnout- ZUSAMMEN-bruch auflöst. In einem längeren Prozess, der die gesamte Lebensenergie zum up-date braucht, entpuppt sich ein neuer Mensch, der sich wieder neu einordnen muss, manchmal eher selten in in der alten Umgebung, ‚falschen‘ Umgebung, sondern meist in einer Neuen. Zwischen zwei Leben (z.b. 7 Jahreszyklus) ist immer Wandel, im Lebenswandel. Der Mensch der gleich bleibt, lebt schnell ein falsches Selbst, denn das Leben ist Wandel.

 

Typische Themen im arbeitpsychologischen Coaching

Wie strukturiere ich meinen Arbeitsalltag so, dass ich innerhalb von Informationsflut und Zeitdruck konzentriert bleibe?

Wie und wo setze ich mich selbst unter Druck?

Was sind Warnsignale und wie steuere ich dagegen?

Wie setze ich mir realistische Ziele?

Wann bin ich bei fehlender Rückmeldung von außen mit den eigenen Leistungen zufrieden?

Wie organisiere ich mir fehlende Rückmeldungen?

Welche Rollen fülle ich aus?

Wie kläre ich Aufgabenstellungen und Verantwortungen?

Wie und wo setze ich sinnvolle Grenzen? Wo organisiere ich mir notwendige Unterstützung? Welche Werte leiten mich bei meiner Arbeit?

Auf welche Säulen stütze ich meine work-life balance?

Wie sorge ich dafür, dass der Zugang zu meinen eigenen Kraftquellen erhalten bleibt?

Welche Formen der Erholung brauche ich wie und wann?

Wie erkenne ich eigene Gestaltungsfeiräume, wie nutze ich diese – und was lässt sich nicht verändern?

Wie gehe ich damit um?

Wofür übernehme ich Verantwortung und wofür nicht?

Aus:Dorothee Rathjen:Coaching am Rande von burnout. In: Psychologie in Österreich 1/2006

Lebenskrisen

Lebenskrisen können nicht auf 6-8 Wochen begrenzt werden, wie oft angenommen wird. Meist geht es jedenfalls um ein halbes Jahr oder Jahr.Oft dauern sie mehrere Jahre. Manchmal das ganze verflixte siebte Leben (42-49).Krisen wecken ein Bedürfnis nach einem Verständnis ihrer Ursachen, was oft gleichbedeutend ist mit mehr Verständnis für das Leben an sich für die eigene Tiefenstruktur der Seele und das eigenen geworden sein.

Eine Krise durchläuft 6 Phasen:

1: Die AUSGANGSSITUATION, zu der die Biographie der Betroffenen und die aktuelle Vorgeschichte gehören.

2: Der AUSLÖSER der Krise und der Beginn der Krise

3: Die Phase des CHAOS und der Desorganisation des emotionalen Gleichgewichtes.

4: Die Phase der BEWÄLTIGUNG der Krise

5. Die REORGANISATION des Lebens auf einem anderen Niveau als vor der Krise.

(M. Ritter-Gekeler: lebens-& Sterbekrisen, München 1992, S.48)

Vorbeugen gegen burn-out

Prävention gegen Burn-Out Setzen Sie sich realistische Ziele Sorgen Sie dafür, dass Ihre Ziele auch erreichbar sind. Setzen Sie sich Teilziele, die in nicht mehr als einem Jahr erreicht werden können. Hören Sie auf, andere verändern zu wollen Versuchen Sie andere so zu akzeptieren, wie sie sind und versuchen Sie andere nicht grundlegend und dauernd zu verändern. Lassen Sie sich keine unrealistischen Versprechungen geben. Trennen Sie zwischen Arbeit und Freizeit Halten Sie Ihre Arbeitszeiten ein. Lassen Sie Überstunden nicht zum Normalzustand werden. Pflegen Sie berufliche Alternativen Versuchen Sie in Ihrer Freizeit bewusst Alternativen zu Ihrem Beruf zu pflegen. Je weiter weg vom Beruf, umso besser. Vermeiden Sie, auch in Ihrer Freizeit berufsähnliche Interessen zu verfolgen. Pflegen Sie Ihre Sozialkontakte Nehmen Sie sich ausreichend Zeit für Familie und Freunde. Sehen Sie diese Zeiten als mindestens so wichtig an, wie die Zeiten für Arbeit. Pflegen Sie bewusst Freundschaften, am besten mit Personen, die Ihrer Berufgruppe nicht angehören. Lernen Sie bewusst zu trödeln Ihr Körper signalisiert Ihnen deutlich, wann Sie trödeln sollten, sich also mit scheinbar nicht so wichtigen Dingen beschäftigen sollten. Lernen Sie diese Zeit nicht als verlorene, sondern für Ihr psychisches Gleichgewicht als wichtige Zeit zu akzeptieren. Lernen Sie mit Ihrer Macht und Machtlosigkeit umzugehen Lernen Sie zu akzeptieren, dass Sie Macht haben, vor allem im Umgang mit sozial Schwächeren. Lernen Sie zu akzeptieren, dass andere dieses Machtgefälle wahrscheinlich deutlicher als Sie wahrnehmen. Machen Sie Ihre Grenzen deutlich Zeigen Sie dem anderen, wo Ihre Grenzen sind. Achten Sie darauf, für sich selbst bestimmte Grenzen zu akzeptieren und einzuhalten. Achten Sie auf die Einhaltung von Regeln Vereinbaren Sie mit dem anderen bestimmte Regeln für den Umgang miteinander. Vereinbaren Sie auch Sanktionen bei Regelverstößen. Versuche Sie die Regeln und die vereinbarten Sanktionen einzuhalten. Wechseln Sie Ihr Tätigkeitsfels Versuchen Sie Ihr Leben so zu planen, dass Sie in regelmäßigen Abständen die Schwerpunkte Ihrer Tätigkeiten verändern. Als kritisch gilt der Zeitraum zwischen dem dritten und fünften Jahr. Machen Sie bewusst Urlaub Versuchen Sie in regelmäßigen Abständen wirklich Urlaub zu machen, wo Sie für niemanden erreichbar sind. Versuchen Sie im Urlaub alles zu vermeiden, was Sie mit Ihrer beruflichen Tätigkeit konfrontiert. Kündigen Sie Sehen Sie langfristig keine Veränderung Ihrer Situation, kundigen Sie , auch wenn dies im ersten Moment schwierig erscheint. Sie verbringen sehr viel Zeit am Arbeitsplatz und bezahlen es physisch und psychisch sehr teuer, wenn Sie langfristig in einem Burn-Out stecken. Text von: Dr. Harald Mathé BÖP Berufsverband Österreichischer PsychologInnen